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Das Vermächtnis der Werte

Aktualisiert: 3. Sept. 2020



Was sind Werte? Diese Frage zu beantworten, ist nicht ganz einfach. Wir finden ganz unterschiedliche Informationen dazu. Hier eine Zusammenfassung davon:


Werte scheinen Eigenschaften zu sein, welche erstrebenswert, ethisch oder moralisch von der Mehrheit der Menschen als für gut befunden wurden. Wir gehen von einem Wertesystem, einer Wertordnung und von einer Wert-Hierarchie aus. Klingt alles etwas verwirrend und kompliziert. Falls du die Thematik detaillierter in philosophischer, ethischer, theologischer, soziologischer oder pädagogischer Hinsicht vertiefen willst, wirst du im Internet sehr viel Material dazu finden. Auch der Begriff ‚Wertewandel‘ wird im Detail erklärt.


Diesen hatte ich wohl irgendwo oder irgendwann bereits einmal aufgeschnappt, jedoch ist mir die Bedeutung dieses Begriffs erst wieder klarer geworden, nachdem ich mich in letzter Zeit immer intensiver mit dieser Thematik auseinandergesetzt habe.


Für mich fühlt es sich an, als würden uns in unserer Gesellschaft und Kultur in der heutigen Zeit immer mehr Werte abhandenkommen. In der Politik jedoch sind sie im Vormarsch. Hier werden ganz andere Werte angesprochen. Wie zum Beispiel der Wert ‚Familie‘, ‚Heimat‘ oder ‚Tradition‘, ‚Nachhaltigkeit‘ und ‚Multikulturalismus‘, um nur einige davon zu nennen. Begriffe, die ich nicht in dieses Kapitel einbringen werde. Der Unterschied liegt für mich hier klar in der Zuteilung zu einer jeweiligen Kategorie. Die zuvor genannten Werte gehören für mich in die Kategorie der indirekten oder direkten materiellen Werte. Sie sind hauptsächlich mit entsprechenden wirtschaftlichen Mitteln, also mit Geldmitteln, umzusetzen. Sie scheinen der Allgemeinheit als attraktiver zu erscheinen. Werte wie ‚Anerkennung‘, ‚Erfolg‘, ‚Fairness‘ sind Werte, die einfacher in den Vordergrund zu stellen sind. Ich würde sagen, dass diese Werte eher objektiv als verbindlich sind. Sie sind wandelbar und können so oder so ausgelegt werden. Was ich jedoch damit sagen will, ist, dass selbst in den Werte-Hierarchien und -Strukturen sich die Vorstellungen sehr verändert haben. Werte können also auch als etwas Modernes betrachtet werden und chic sein.


Vielmehr möchte ich hier von für mich ‚echte‘ oder ‚alte‘ Werte sprechen. Werte wie Toleranz, Vertrauen, Verlässlichkeit, Offenheit, Respekt – um nur einige davon zu nennen. Sie mögen etwas verstaubt klingen, etwas vergessen, etwas vorzeitlich. Sie sind für mich jedoch wie Juwelen, sind ein wenig versteckt, verbuddelt in einer Schatztruhe. Es gibt sie schon so lange und sie haben durchaus ihre verdiente Daseinsberechtigung. Sie sind so wundervoll einfach und rein. Kostbar und wertvoll.


Doch könnte der Eindruck entstehen, als würden viele dieser uns so wichtigen und schützenden, gar anleitenden und natürlichen Werte langsam vermehrt verblassen. Uns abhandenkommen. Hier sind insbesondere die nicht-materiellen oder ideellen Werte gemeint. Wir selbst haben die Orientierung verloren. Die Menschen und unsere Gesellschaft haben sich in den letzten 10 Jahren deutlich verändert. Vieles ist heute möglich, was vor zwei Jahrzehnten noch vollends unmöglich erschien oder uns gar völlig unbekannt war. Die Entwicklung geht rasend schnell voran. Wir schaffen es kaum mehr, diesem Fortschritt zu folgen. Für die Zukunft ist zu erwarten, dass dieses Tempo noch zunehmen wird.


Ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Erde und der Menschheit


Vor rund 13.5 Milliarden Jahren entstanden Materie, Energie, Raum und Zeit in einem Ereignis namens Urknall. Etwa 300'000 Jahre später verbanden sich Materie und Energie zu komplexeren Strukturen namens Atome, die sich wiederum zu Molekülen zusammenschlossen, die Chemie. Vor 3.8 Milliarden Jahren begannen auf unserer Erde Organismen zu entstehen, die Biologie. Und vor gut 70'000 Jahren begannen Organismen der Art ‘Homo Sapiens’ mit dem Aufbau komplexer Strukturen, die Kulturen. Die Entwicklung dieser Kulturen nennen wir Geschichte. Die Geschichte der menschlichen Kulturen wurde von drei grossen Revolutionen geprägt.


1. Die kognitive Revolution vor etwa 70'000 Jahren, also das Aufkommen des ‘Homo Sapiens’ (vernünftiger Mensch). Die kognitive Revolution brachte die Geschichte überhaupt erst in Gang.

2. Die landwirtschaftliche Revolution vor rund 12'000 Jahren beschleunigte sie

3. Die wissenschaftliche Revolution, die vor knapp 500 Jahren ihren Anfang nahm.


Menschen gab es schon lange vor dem Beginn der Geschichte. Die ersten menschenähnlichen Tiere betraten vor etwa 2.5 Millionen Jahren die Bühne. Vom Sammler und Jäger, der sich zweieinhalb Millionen Jahre lang von Pflanzen und Tieren ernährte, wurden wir vor 10'000 Jahren zu sesshaften Menschen.

Wir begannen unsere Anstrengungen auf das Säen von Samen, die Bewässerung, das Jäten von Unkraut und das Halten von Schafen auszurichten. Das Ergebnis war die sogenannte landwirtschaftliche Revolution.


Vor ca. 300 Jahren löste die industrielle Revolution die Landwirtschaft ab, respektive sie bedeutete eine tiefgreifende und dauerhafte Umgestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, der Arbeitsbedingungen und Lebensumstände. Und heute ist das digitale Zeitalter eingezogen. In schwindelerregendem Tempo entwickeln sich unser Planet, die Menschheit und unsere Möglichkeiten weiter.


Zurück zu den Werten. Wie also steht es um die Werte? Drohen sie auszusterben? Brauchen wir sie wirklich? Sind wir in der Lage, sie zu erhalten? Sie wieder aufzubauen? Wie können wir dies erreichen?


Der erste Ansatz könnte sein, sich bewusst damit auseinander zu setzen. Uns ihre Existenz in Erinnerung zu rufen. Uns Gedanken darüber zu machen, inwiefern sie für uns von Bedeutung sind. Was sie bewirken und weshalb wir sie aufrecht erhalten wollen oder sollen. Werte sind Häfen, in welche wir immer wieder einlaufen können. Den Anker setzen, um innezuhalten. Werte sind eine Sprache. Sie verbinden die Menschen miteinander und leiten an, wenn neue Entwicklungen zu Verwirrung und Unsicherheit führen. Eine spannende Frage ist immer wieder, wenn ich mit Menschen ins Gespräch komme, welche Werte sind dir wichtig? Hier möchte ich anmerken, dass ich Werte nicht mit Regeln gleichsetze. Zu diesem Thema später mehr.

Interessant ist, dass es meist sehr ähnliche und an der Zahl nicht sehr viele unterschiedliche Werte sind, welche von Menschen im Gespräch aufgezählt werden. Die meistgenannten sind Respekt, Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit. Rücksichtnahme, Achtsamkeit, Empathie sind weiter aufgeführte Werte. Diese jedoch würde ich persönlich zum Respekt hinzufügen.


Es ist spannend, dass die letztgenannten genau die Werte sind, welche für das Zusammenleben der Menschen aktuell so überaus wichtig sind. Denn sie berühren uns im Innersten. Wir wollen als menschliches Wesen verbunden und dennoch frei sein. Autonom und Teil des Ganzen. Ohne Rücksichtnahme und Empathie wird das Leben zu einem Spiessrutenlauf. Ein Schleichen auf einem Minenfeld. Weil wir Zugehörigkeit brauchen, um uns gut zu entwickeln und als menschliches Wesen überleben zu können. Und um zu guter Letzt ein erfülltes und glückliches Leben führen zu können, ist Das-sich-Verlassen auf unsere Mitmenschen und die Sicherheit, dass wir Teil vom Kollektiv sind, so wichtig.


In den heutigen Zeiten macht sich auf der ideellen Ebene eine, wie ich meine, wertfreie Gesellschaft breit. Vermutlich sind die älteren Generationen mitverantwortlich, dass Werte nicht mehr an die jüngeren Generationen, an die eigenen Kinder, übertragen werden. Oder der Zeitgeist bringt diesen Schatten einfach mit sich. Vermutlich ist es eine Kombination von beidem. Viel zu sehr und zu oft sind wir im Alltag mit unseren digitalen Geräten und mit Medien aller Art beschäftigt, von unserem eigenen Leben abgelenkt. Dabei fällt es uns schwer, die Entwicklung in eine viel weniger wert-bezogene Richtung wahrzunehmen. Erst ein einschneidendes, persönliches Erlebnis kann dieses Bedürfnis nach Werten wieder hervorrufen. Nur, was tun, wenn der Mainstream sich sang- und klanglos davon verabschiedet hat? Wenn die Gesellschaft vergisst, wie wichtig Werte für uns sind? Dass sie überhaupt existieren und was, wenn uns diese Werte nicht mehr vorgelebt werden?


Meiner Meinung nach ist es essentiell, sich wieder an Werte zu erinnern. Sie wieder in unser Leben einzubinden. Sie vorzuleben. Sie weiterzugeben. Seien wir viral damit – leben wir sie vor, damit sie wieder in unserer Gesellschaft gedeihen können! Wie viele andere Verhaltensweisen, färbt gutes und vorbildliches Verhalten auf die Mitmenschen ab. Es wird wieder vertraut. Alltäglich. Kinder sind hierfür am empfänglichsten, denn sie übernehmen die Verhaltensweisen ihrer Eltern und nahen Bezugspersonen direkt. Seien wir ihnen ein Vorbild und leben wir ihnen eine wert-volle Gesellschaft vor! Lassen wir die Werte wieder aufleben und sie zu alltäglichen Bestandteilen in unseren Leben werden. Wir haben nichts zu verlieren. Ausser unsere wertvollen Werte!


Kleine Übung für dich

Lebe einen Tag lang einmal ganz bewusst nach Werten, die dir persönlich wichtig sind.


1. Lege nach dem Aufwachen fest, welcher dein heutiger Wert für den Tag sein wird

2. Schreibe ihn dir am besten auf (Notizblock oder Stück Papier)

3. Versuche, den ganzen Tag diesen Wert auszuleben, vorzuleben und/ oder wahrzunehmen (in Begegnungen, Umfeld, Erlebnissen, in Beziehungen zu Kindern und/oder der Lebensgefährtin/dem Lebensgefährten, bei der Arbeit)

4. Egal wo und wie

5. Abends nimmst du deine Notiz wieder hervor

6. Überlege oder schreibe auf, was du im Zusammenhang mit diesem Wert erlebt hast: Ist dir etwas Besonderes aufgefallen? Hast du diesen Wert bei anderen Menschen wahrgenommen? Hat jemand auf deine Werte-Haltung zum heutigen Tag auf besondere Weise reagiert?


Was auch immer deine Erfahrungen waren – es war bestimmt interessant und lehrreich. Wiederholen empfohlen.


Weitere Möglichkeiten:

· Mach aus dem einen Tag ein Wochen-Motto

· Der Familien-Auftrag: Innerhalb der Familie wird dieser Wert einen Tag oder eine Woche oder einen Monat gelebt


Es gibt keine Grenzen. Und nicht vergessen: Auch hier hat der Humor seinen Platz! Mach eine spielerische Übung daraus. Verboten: Umwandlung in eine verbissene Pflichtaktion.


Eine kleine Auswahl an Werten für deine Übung:

· Respekt

· Achtsamkeit

· Liebe

· Vertrauen

· Ehrlichkeit

· Mitgefühl

· Offenheit

· Toleranz

· Würde

· Mut

· Dankbarkeit

· Rücksichtnahme

· Treue


Lass dich doch mal drauf ein und finde heraus, wie und in welcher Form Werte in deinem Alltag Platz haben und ob sie für dich wichtig sind. Möglicherweise findest du heraus, dass Werte durchaus in deinem Alltagsleben ihren Platz haben - umso schöner!


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